Elektroinstallation im Münchner SAP Garden

Der SAP Garden im Münchner Olympiapark. Im Hintergrund das Olympiastadion mit der weltberühmten Zeltdachkonstruktion.
Der SAP Garden im Münchner Olympiapark. Im Hintergrund das Olympiastadion mit der weltberühmten Zeltdachkonstruktion.Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH

Als der SAP Garden Ende September 2024 eröffnet wurde, war das Medienecho groß. Einen Beitrag dazu haben auch Sie und Ihre Unternehmen geleistet. Wie lautet Ihr persönliches Fazit?

Deser: Als Techniker sieht man solche Dinge immer etwas nüchterner, vor allem dann, wenn man selbst schon wiederholt in größere Bauprojekte involviert war. Wir sind hauptsächlich in Bayern und zum Teil auch auf nationaler Ebene tätig, es ist nicht das erste Großvorhaben, das wir begleitet haben. Aber die Dimensionen dieses Projekts waren natürlich außergewöhnlich, und das Ergebnis ist in der Tat beeindruckend, auch in ästhetischer Hinsicht. Ich verstehe insofern sehr gut, dass hier Begeisterung aufkommt.

Bürk: Der Bau dieser Arena ist ja europaweit beachtet worden. Was hier verwirklicht worden ist, bewegt sich auf dem allerhöchsten Level, das im Sportstättenbau erreicht werden kann. Hinzu kommt, dass sich das Bauwerk optisch nahtlos in die sporthistorische Umgebung des Münchner Olympiaparks einfügt – das ist mindestens genauso bemerkenswert. Auch wir haben schon weltweit viele große Projekte begleitet, aber der SAP Garden ist schon eine Klasse für sich.

Florian Bürk, Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische mit Heinemann Projektleiter Christian Deser.
Florian Bürk, Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische mit Heinemann Projektleiter Christian Deser.Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH & Fränkische Rohrwerke

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit bei diesem Projekt?

Deser: Wir sind ja langjährige Partner, die Rohre von Fränkische kommen auf vielen unserer Baustellen zum Einsatz, insofern war die Zusammenarbeit zunächst nichts Ungewöhnliches. Und hier im SAP Garden brauchten wir erst recht einen zuverlässigen Kooperationspartner, der mit Großprojekten Erfahrung hat und das Wissen, das Portfolio und die Logistik mitbringt, um termintreu das Passende zu liefern. Denn was passiert, wenn bei solchen Projekten nicht die richtige Lösung zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – dafür haben wir in Deutschland in den vergangenen Jahren genügend Beispiele gesehen. Hinzu kommt: Der ursprüngliche Zeitplan wurde schon durch die Pandemie beeinträchtigt. Da hatten wir als Auftragsnehmer dann umso mehr den Anspruch und natürlich auch die Pflicht, eine zügige Durchführung zu gewährleisten.

Im Bereich von Fluchtwegen und Feuerwehrzugängen wurden spezielle brandhemmende Installationsrohre wie etwa diese vom Typ FFKuS-EM-F Highspeed verlegt.
Im Bereich von Fluchtwegen und Feuerwehrzugängen wurden spezielle brandhemmende Installationsrohre wie etwa diese vom Typ FFKuS-EM-F Highspeed verlegt. – Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH & Fränkische Rohrwerke

Nun hatte das Projekt ja eine Dimension, die alles andere als alltäglich ist, auch in Installationsaspekten. Wie nähert man sich so einer Aufgabe?

Deser: Tatsächlich ist das Wort Großauftrag hier eigentlich zu klein. Die Dimension dieses Installationsprojekts ist spontan schon überwältigend. Zu den Highlights kamen ja nicht nur die klassischen Anschlüsse für Beleuchtung, Heizung, Lüftung, Klimatechnik. Wir mussten z.B. auch die Kältemaschinen samt Wärmerückgewinnungssystem anschließen und die unterbrechungsfreie Stromversorgung der Gebäude-IT sicherstellen. Hinzu kommt, dass wir auch für die sicherheitstechnischen Gewerke zuständig waren: Brandmelder und Sprachalarmierung, Videoüberwachung und Einbruchmelder, den Leitstand für Polizei und Feuerwehr. Am Ende haben wir über 1.000km elektrische Leitungen, mehr als 100km Elektroinstallationsrohr, rund 300 Stromkreisverteiler und etwa 5.000 Steckdosen und Schalter verbaut. Das A und O war hier eine sorgfältige und sehr detaillierte Planung im Vorfeld, die wir per BIM inklusive 3D-Modell realisiert haben. Diese Planung nahm mehr Zeit in Anspruch als üblich, was sich aber ausgezahlt hat, weil auf der Baustelle jeder Handgriff saß.

Den Anfang machen die Elektroinstallationsrohre, die als Leerrohr verbaut und anschließend mit Kabeln belegt werden. Was war in diesem Bereich die größte planerische Herausforderung?

Bürk: Auch hier ganz klar die Komplexität des Auftrags. Für jeden Anwendungsbereich die richtige Lösung zu finden, war alles andere als einfach – zumal man am Ende oft nur einen einzigen Schuss hat. Die meisten Elektroinstallationsrohre werden ja während des Rohbaus in Wände, Decken, Treppen, Bodenestrich oder unterirdische Bereiche integriert und können später nicht mehr einfach ausgetauscht werden. Die Auswahl sollte also sitzen. Und wenn man dann ein Projekt dieser Dimension vor sich hat, ist schon Hirnschmalz erforderlich.

Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.
Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH & Fränkische Rohrwerke

Wie bringt man Struktur in so eine komplexe Aufgabe?

Deser: Eine Grundrichtung geben die Teilaufgaben in den einzelnen Bereichen vor. Für eine Estrich- oder Erdreichverlegung oder eine Aufputz-Installation für die strukturierte Verkabelung – wie etwa in der Lüftungszentrale – braucht es jeweils geeignete Rohre, das ist selbsterklärend. Im näheren Umkreis von Fluchtwegen und Feuerwehr-Zugängen wiederum haben wir halogenfreie, selbstverlöschende Spezialrohre installiert, die im Brandfall kaum Rauch verursachen und auch keine toxischen oder ätzenden Gase entstehen lassen. Bei der Evakuierung und Brandbekämpfung kann so eine Rohrlösung am Ende Leben retten.

Bürk: Und auch die nachhaltige Ausrichtung des Gebäudes spielte eine wichtige Rolle. Der gesamte Olympiapark wird durch ein ökologisches Grundkonzept bestimmt: Harmonie von Natur und Technik, nachhaltige Nutzung aller Gebäude und Gewerke. Diesen Leitmotiven sollte auch die neue Arena entsprechen. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns umso mehr, dass Heinemann für den SAP Garden auch unsere ökobilanzierten Kunststoff-Wellrohre ausgewählt hat. Sie tragen ihren Teil zur Fortschreibung des ökologischen Grundkonzepts bei.

Von der Verrohrung ist später nichts mehr zu sehen. Damit die Öffentlichkeit dennoch einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, wurde das Projekt 'Heinemanns Road to SAP Garden' im Bewegtbild festgehalten.
Von der Verrohrung ist später nichts mehr zu sehen. Damit die Öffentlichkeit dennoch einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, wurde das Projekt ‚Heinemanns Road to SAP Garden‘ im Bewegtbild festgehalten.Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH & Fränkische Rohrwerke

Ist ein ökobilanziertes Kunststoffrohr nicht ein Widerspruch in sich?

Bürk: Hier muss ich eine Lanze für Elektroinstallationsrohre aus Kunststoff brechen. Denn das sind auch unabhängig von jeder Ökobilanzierung grundsätzlich nachhaltige Produkte. Sie haben eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren und können danach noch der Wiederverwertung zugeführt werden. Mit unseren ökobilanzierten Rohren sind wir aber noch einen Schritt weitergegangen. Wir verwenden hier sogenannte Rezyklate, also wiederaufbereitete Gebrauchsmaterialien. Bei der Herstellung der Rohre werden dadurch 60 Prozent weniger fossile Ressourcen verbraucht und pro laufendem Meter 47 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht als bei marktüblichen Kunststoff-Wellrohren.

Sie hatten das ökologische Grundkonzept des Olympiaparks erwähnt. Das ganze Ensemble ist ja nicht zuletzt aufgrund dessen denkmalgeschützt. Hat das die Elektroinstallation beeinflusst?

Deser: Ja, das Thema Denkmalschutz hat uns auf dem Dach der Arena eingeholt, bei der Installation der Photovoltaikanlage. Deren 799 Module waren in zweifacher Hinsicht eine Herausforderung: Zum einen durften sie das Dach nicht zu stark belasten. Zum anderen durften sie den Rand des Hallendachs nicht überragen, um die freie Sicht auf die denkmalgeschützten Einzelbauwerke und das Landschaftsprofil des Areals nicht zu beeinträchtigen. Dabei ging es vor allem um die Zeltdachkonstruktion über Olympiastadion, Olympiahalle und Olympia-Schwimmhalle.

Bürk: Die von Heinemann konzipierte Lösung für diese Herausforderung war dann letztlich eine flache, leichte, aber trotzdem stabile Modul-Tragkonstruktion, die wir mit Elektroinstallationsrohren aus Aluminium unterstützt haben. Diese Leichtmetallrohre fügen sich unauffällig ein, verbinden die Solarmodule untereinander und schützen die Kabel vor Witterung und UV-Strahlung.

Bedauern Sie eigentlich, dass die Öffentlichkeit von solchen Anstrengungen oft nur wenig mitbekommt?

Bürk: Grundsätzlich soll eine Elektroinstallation ja im Hintergrund bleiben und einfach ihren Zweck erfüllen. Insofern spricht es zunächst für sie, wenn sie nicht weiter auffällt. Denn das heißt im Normalfall, dass sie wunschgemäß funktioniert. Es ist aber tatsächlich ein bisschen schade, dass die Anstrengungen, die dafür im Vorfeld nötig waren, nur selten öffentliche Beachtung finden. Denn selbstverständlich ist so eine reibungslose Funktionalität nicht, schon gar nicht bei einem Projekt dieser Größenordnung.

Deser: Genau aus diesem Grund – dass die Öffentlichkeit leider nur sehr selten von den Infrastrukturarbeiten hinter den Kulissen eines Bauwerks erfährt – haben wir uns letztlich auch dafür entschieden, das Projekt ‚Heinemanns Road to SAP Garden‘ im Bewegtbild festzuhalten und eine mehrteilige filmische Dokumentation über das Projekt zu realisieren. Aus dieser Doku wird klar, was hinter einem Projekt dieser Größe eigentlich steckt und wieviel harte Arbeit damit verbunden ist. Der dritte Teil der Dokumentation widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit und beleuchtet dabei die drei Dimensionen: soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. In diesem Zusammenhang spielt auch Fränkische eine Rolle, insbesondere im Bereich der nachhaltigen Elektroinstallationslösungen.

Das Ensemble des Olympiaparks steht seit Kurzem auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das würde dann auch den SAP Garden mit einschließen – und Sie hätten zu einem Bauwerk mit Welterbe-Status beigetragen. Gefällt Ihnen diese Vorstellung?

Bürk: Die Mühlen der UNESCO mahlen langsam, und die Vorschlagsliste ist auch nicht gerade kurz. Von daher mache ich mir jetzt mal keine verfrühten Hoffnungen. Aber zugegeben: Einen Eintrag in die Welterbeliste miterleben zu können, wäre schon einmalig und die nachträgliche Krönung eines außergewöhnlichen Projekts.

Deser: Dem kann ich nur zustimmen.