Klimaaktive Fassade mit Sonnenschutzautomation

Geöffnete Raffstoren im Winter ermöglichen gezielt den Eintrag der Strahlungsenergie und unterstützen so die Heizung. Bei Blendung kann der Nutzer manuell eingreifen.
Geöffnete Raffstoren im Winter ermöglichen gezielt den Eintrag der Strahlungsenergie und unterstützen so die Heizung. Bei Blendung kann der Nutzer manuell eingreifen.Bild: Warema Renkhoff SE

Die Erderwärmung nimmt zu und in Folge dessen spielt der sommerliche Wärmeschutz eine immer größere Rolle. Den Energieeintrag in das Gebäude effizient zu verringern, rückt zunehmend in den Vordergrund der Planung von Neubau und Sanierung. Hier sehen sich auch Hersteller wie Warema in der Verantwortung und unterstützen mit Produkten und Services die Optimierung der Gebäudehülle. Über eine Automation des Sonnenschutzes reagiert die Fassade auf die äußeren Bedingungen und wird somit klimaaktiv. Solch eine klimaaktive Fassade hält im Sommer einen Großteil der Sonnenenergie ab. Der geringere Energiedurchlassgrad vermeidet eine Überhitzung der Innenräume – und damit eine energieintensive technische Kühlung. Hochgefahrene Beschattungssysteme im Winter hingegen ermöglichen den Eintrag der Strahlungsenergie und unterstützen die Heizung. In den Winternächten können durch das Schließen des Sonnenschutzes die Energieverluste durch das Fenster um bis zu 37 Prozent verringert werden. Auch der Tageslichteintrag lässt sich bei jalousierbaren Produkten durch eine Automation optimieren, was zu geringerem Kunstlichtbedarf führt.

Fester Bestandteil jeder klimaaktiven Fassade ist eine Wetterstation, wie die Omnexo Wetterstation Pro von Warema.
Fester Bestandteil jeder klimaaktiven Fassade ist eine Wetterstation, wie die Omnexo Wetterstation Pro von Warema.Bild: Warema Renkhoff SE

Systemgedanke im Vordergrund

Für Warema steht bei der Optimierung der Gebäudehülle der Systemgedanke im Vordergrund. Die für den Energiedurchlass maßgeblichen Bauteile Verglasung und Sonnenschutz werden in einem energetischen Gesamtwert erfasst: dem totalen Gesamtenergiedurchlassgrad (gtot). Die Abstimmung beider Komponenten untereinander ermöglicht ein effizientes Reduzieren der Wärmeeinstrahlung. Besonders für den Sonnenschutz gilt: Nur eine intelligente Steuerung nutzt dessen technische Möglichkeiten im Sinne einer klimaaktiven Fassade aus.

Auf der Grundlage der Prognosen für das Referenzjahr 2045 zeigen Berechnungen, dass Gebäude ohne Sonnenschutz nur noch mit Kühlung in den Sommermonaten nutzbar sind. Im August herrschen fast durchgehend – tagsüber und nachts – Innenraumtemperaturen von über 30°C vor. – Bild: Warema Renkhoff SE

Dem Autopiloten übergeben

Der gtot-Wert setzt sich zusammen aus der transmittierten Strahlung und dem sekundären Wärmeeintrag der zwischen Sonnenschutz und Fenster gefangenen absorbierten Strahlung. Entscheidende Faktoren beim Sonnenschutz sind die Reflektion der langwelligen wärmeintensiven Strahlung sowie ein möglichst geringer Transmissionsgrad in Kombination mit einer exakten Steuerung des benötigten Tageslichts. Die gute Nachricht: Bei der Steuerung kann sich der Nutzer zurücklehnen. Eine Automation erledigt das Steuern besser und vor allen Dingen proaktiv. Standardbausteine hierfür sind eine Wetterstation sowie eine Steuereinheit mit einem intelligenten Regelalgorithmus, der u.a. den jahreszeitabhängigen Sonnenstand berücksichtigt, Lamellen bei Bedarf nachführt sowie die Behangpositionen wetterabhängig regelt.

Studie: Potential des Sonnenschutzes

Über die RTG (Repräsentanz Transparente Gebäudehülle) wurden mehrere Studien an das Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser (IBH) zur Wirksamkeit des Sonnenschutzes in Auftrag gegeben. In der aktuellen Studie IBH 4 zeigen Berechnungen zu einem exemplarisch vordefinierten Testraum mit ca. 45m² Grundfläche und einer nach Süden orientierten Fensterfläche von ca. 36 Prozent der Grundfläche des Raumes den großen Hebel eines außenliegenden Sonnenschutzes sowie einer intelligenten Steuerung: Bei herkömmlicher Bedienung des außenliegenden Sonnenschutzes lässt sich die Anzahl der Stunden mit Innenraumtemperaturen von über 26°C von 2.781 Stunden (ohne Sonnenschutz) bereits auf 512 Stunden reduzieren. Bei einer frühzeitigen Aktivierung über eine Automation, wie bei einer klimaaktiven Fassade, kann die Anzahl der Stunden noch weiter, nämlich auf 212 Stunden, verringert werden. Dies entspricht einem Wert von knapp unter 10 Prozent im Vergleich mit der Situation ohne Sonnenschutz. Bei zusätzlicher Nachtkühlung durch Lüften lassen sich die Stunden mit Innenraumtemperaturen von über 26°C sogar auf nur noch 39 Stunden reduzieren, also ein Wert von unter 2 Prozent. Den energetisch besten Wert erreicht immer der geschlossene Behang. Dahinter liegende Räume sind jedoch dann mangels ausreichendem Tageslichteinfall ohne Kunstlicht nur sehr eingeschränkt nutzbar. Jedoch: Nicht genutzte Räume sind nicht unbedingt der Sonderfall, sondern häufig der Standard. Diese Zeiten über Präsenzmelder, Erfassung von Sonn- und Feiertagen, Arbeits- sowie Urlaubzeiten exakt zu erfassen und in die Steuerung der klimaaktiven Fassade einfließen zu lassen ist ein weiteres Einsparpotential.

Wärmeschutz und Tageslichteintrag

Die Abstimmung zwischen Tageslichtanteil und Grad der Beschattung ist ein zentraler Faktor für einen effektiven sommerlichen Wärmeschutz. Den höchsten Nutzen und die größte Flexibilität bietet hier der Raffstore, auch Außenjalousie genannt. Eine Nachführung des Lamellenwinkels entsprechend dem aktuellem Sonnenhöhenwinkel ermöglicht, dass keine direkte Sonnenstrahlung in den Raum gelangt – bei gleichzeitig maximalem, diffusen Tageslichteintrag. Durch das Verhindern einer direkten Sonneneinstrahlung findet kein starker Energieeintrag statt, der regulierte diffuse Tageslichteinfall ermöglicht zusätzlich energetische Einsparungen beim Kunstlicht.

Welche Erkenntnis ziehen wir daraus?

Allein die Tatsache, dass bereits ca. 40 Prozent der eintreffenden Wärmestrahlung durch einen Lamellenbehang reflektiert werden können, ist eine gute Nachricht. Bei der Planung müssen wir uns allerdings von dem Gedanken one fits all verabschieden. Jedes Gebäude muss individuell betrachtet werden. Dies gilt für Sanierung und Neubau, weshalb Warema bei diesem Thema Architekten und Fachplaner aktiv unterstützt. Die Zukunft eines effizienten Wärmeschutzes liegt in der intelligenten Nutzung und dem Zusammenspiel aller haustechnischen Systeme. Sonnenschutzsysteme in Verbindung mit smarten Steuerungslösungen sind deshalb mehr als eine Empfehlung und sollten proaktiv genutzt werden.