Intelligentes Energiemanagement für Gebäude

Intelligente Lasttrennschalter überwachen den Stromfluss in Gebäudeverteileranlagen.
Intelligente Lasttrennschalter überwachen den Stromfluss in Gebäudeverteileranlagen.Bild: ©Kadmy/stock.adobe.com

Das Stromnetz verändert sich durch die Energiewende grundlegend: Anstelle einiger weniger großer Kraftwerke wird der Strom in Zukunft aus zahlreichen kleinen erneuerbaren Energiequellen stammen; gleichzeitig ziehen immer mehr neuartige elektrische Verbraucher wie Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen Energie aus dem Niederspannungsnetz. Die Betreibergesellschaften stehen deshalb vor der Herausforderung, einen möglichst reibungslosen Netzbetrieb zu gewährleisten, Stromausfälle zu vermeiden und eine hohe Stromqualität zu erhalten. Ein neuer intelligenter NH-Sicherungslasttrennschalter ermöglicht die Überwachung und Steuerung dieser immer komplexer werdenden Energieflüsse und schützt gleichzeitig die Schaltanlagen vor Überströmen. Die intelligente Lösung stammt von Mersen. ProGrid nennt sich das Produkt, das das französische Unternehmen speziell für den Einsatz in Netz- und Trafostationen, Kabelverteilerschränken sowie Niederspannungsverteilern entwickelt hat. Es handelt sich um eine neue modulare Generation von Sicherungslasttrennschaltern, die lokale Niederspannungsnetze nicht nur vor Überstrom schützen, sondern zusätzlich auch die Energieflüsse erfassen und weitere Parameter messen.

ProGrid-Sicherungslasttrennschalter sind mit Top-Smart Modul und mit Smart Modul an der Unterseite erhältlich. Die intelligenten Module können an bestehenden Sicherungslasttrennschaltern nachgerüstet werden. – Bild: Mersen Electrical Power

Verschiedene Varianten verfügbar

Der modulare Sicherungslasttrennschalter ist in drei Versionen erhältlich:

  • ProGrid,
  • ProGrid Smart
  • und ProGrid SmartStation.

Produkte der Variante 1, der ProGrid Standalone-Sicherungslasttrennschalter, schützen Umspannwerke, Trafostationen oder Schaltanlagen in Gebäuden gegen Überströme und Kurzschlüsse. Diese Version verfügt über einen sicheren und patentierten Schaltmechanismus und kann bei Bedarf mit einem Smart-Modul zur Überwachung aufgerüstet werden. Das Modul und die Sensoren sind bereits in der zweiten Variante, ProGrid Smart, enthalten. Diese verfügt über einen erweiterten Funktionsumfang und ermöglicht eine effiziente Messung des Energieflusses an den Niederspannungsabgängen der Schaltanlage, Transformationsstation oder des Umspannwerks.

Ein patentierter Öffnungs- und Schaltmechanismus ermöglicht die schnelle und sichere Handhabung der Sicherungslasttrennschalter.
Ein patentierter Öffnungs- und Schaltmechanismus ermöglicht die schnelle und sichere Handhabung der Sicherungslasttrennschalter.Bild: Mersen Electrical Power

Schutz und Überwachung kompletter Schaltanlagen

Die Ausführung SmartStation ermöglicht schließlich die Kombination von ProGrid Smart mit weiteren modularen Messgeräten und Sensoren. Das Ergebnis ist ein komplettes Energie- und Umweltüberwachungssystem für Mittel- und Niederspannungsstationen. SmartStation erlaubt die Kombination des Sicherungslasttrennschalters mit zusätzlichen modularen Messgeräten wie z.B. Sensoren zur Erkennung von Rauch, zur Messung der Innen- und Außentemperatur bzw. der relativen Luftfeuchtigkeit oder zur Erfassung des Zustands der Schaltanlagentüren. Überflutungsmelder oder Ozonsensoren können ebenfalls in das Überwachungssystem SmartStation integriert werden.

Weiterentwicklung bekannter Produkte

Die Lösungen basieren auf konventionellen NH-Sicherungslasttrennschaltern von Mersen, die seit Jahrzehnten Stromverteilungssysteme in Gebäuden und Stromnetzen schützen. Bereits 2022 stellte das Unternehmen ein neues Smart-Modul für seine aktuellen Sicherungslasttrennschalter vor, das eine Echtzeitüberwachung des Energieflusses in Niederspannungsanwendungen ermöglicht. ProGrid ist eine Weiterentwicklung dieser intelligenten Module. Die modularen Sicherungslasttrennschalter schützen das Niederspannungsnetz vor Stoßströmen und ermöglichen zudem die Digitalisierung des Netzes. Dies ist wichtige Voraussetzung für eine intelligente und flexible Verteilung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Die Lösungen bieten Vorteile für Gebäudeautomations- und Elektroinstallationsbetriebe sowie für Schaltanlagenhersteller. Sie schützen nicht nur das hauseigene Stromnetz vor Überströmen aufgrund von Schwankungen im allgemeinen Stromnetz. Die intelligenten Sicherungslasttrennschalter können auch den Energiefluss von PV-Anlagen messen, die entweder auf dem Dach aufgeständert oder direkt in das Gebäude integriert sind – z.B. als Dach- oder Fassadenelement.

Die ProGrid-SmartStation-Lösung schützt Trafostationen nicht nur vor Überstrom, sondern überwacht auch den Stromfluss und erfasst zahlreiche andere wichtige Parameter.
Die ProGrid-SmartStation-Lösung schützt Trafostationen nicht nur vor Überstrom, sondern überwacht auch den Stromfluss und erfasst zahlreiche andere wichtige Parameter.Bild: Mersen Electrical Power

Energieflüsse in lokalen Netzen müssen erfasst werden

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EnWG § 14A) schreibt die Erfassung dieser Energieflüsse im Rahmen eines sogenannten Einspeisemanagements ausdrücklich vor. Ziel des Verteilungsmanagementsystems ist es, Überlastungen des öffentlichen Stromnetzes zu verhindern. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, um die von der PV-Anlage erzeugte Leistung aufzunehmen, kann der Netzbetreiber verschiedene Stufen der Anlage begrenzen. Dies erfordert jedoch eine genaue Messung des Energieflusses von den PV-Anlagen ins öffentliche Netz. Hier sind die ProGrid-Lösungen nützlich, da die Echtzeitmessung des Energieflusses eine effiziente Anpassung der Verteilnetze ermöglicht.

Kooperation mit Netzbetreibern

Mersen hat die ProGrid-Sicherungslasttrennschalter in Zusammenarbeit mit Netzbetreibern in Deutschland und anderen europäischen Ländern entwickelt. Die Entwicklung erfolgte im agilen Modus mit frühen Benutzertests für die Hauptfunktionalitäten und in jeder Phase des Projekts. Dieses Feedback ermöglichte es dem Entwicklungsteam, Verbesserungen frühzeitig in den Prozess zu integrieren. Die Erfahrungen der Benutzer wurden bei der Entwicklung des Endprodukts berücksichtigt. Im Ergebnis sind die Sicherungslasttrennschalter an die Anforderungen im Umspannwerk oder in Schaltanlagen der Gebäudeautomation angepasst. Wie Mersen die Lösungen auf die Anforderungen von Energieversorgern und Elektroinstallateuren zugeschnitten hat, zeigt sich z.B. am Schalt- bzw. Öffnungsmechanismus. Er gewährleistet Sicherheit für den Anwender ebenso wie eine schnelle Installation, ergonomische Wartung und einen einfachen Austausch der Module.

ProGrid-Smart-Sicherungslasttrennschalter lassen sich in Gebäudeverteileranlagen und Hausanschlusskästen nachrüsten.
ProGrid-Smart-Sicherungslasttrennschalter lassen sich in Gebäudeverteileranlagen und Hausanschlusskästen nachrüsten.Bild: Mersen Electrical Power

Öffnungsmechanismus sorgt für leichte Installation

Der Mechanismus führt eine Parallel- und eine Drehbewegung aus. Die parallele Bewegung gewährleistet einen IP20-Schutz gegen elektrischen Schlag für den Bediener. Der IP20-Schutz besteht während des gesamten Betriebs des Geräts: Die Finger berühren die elektrischen Kontakte nicht. Die Drehbewegung ermöglicht einen einfachen Zugang zur Sicherung. Mit einem geeigneten Werkzeug können die Sicherungslasttrennschalter auf stromführenden Sammelschienen montiert werden. Mit Hakenelementen lassen sie sich auch auf gewindelosen Sammelschienen montieren – sogar mit Stromwandlern.

Nachrüstung an Schaltanlagen

Mersen bietet die Sicherungslasttrennschalter wie eingangs beschrieben als Standalone-Version und als ProGrid Smart mit werkseitig integrierter Sensorik und Smart-Modul auf der Geräteober- oder Unterseite an. Die Top-Version eignet sich speziell für den Einbau in neue Schalttafeln oder Trafostationen/Umspannwerke. Für die Nachrüstung eines bestehenden Schaltschranks ist die intelligente Lösung Bottom ideal, da sie einen Eins-zu-Eins-Austausch der bereits installierten Standard-Sicherungslasttrennschalter durch ProGrid Smart Bottom ermöglicht. Bis zu 24 ProGrid Smart-Module können pro Master durch Verkettung in Reihe angeschlossen werden. Die Montage erfordert nur eine Verdrahtung: Die Kabel der Sensoren befinden sich im Sicherungslasttrennschalter und kommen nicht mit dem Sammelschienensystem in Berührung. Mit einem Modbus-Kabel, das die Kommunikation zwischen den Modulen und dem Gateway verteilt, bietet das Smart-Modul direkten Zugang zu den Echtzeit-Energie- und Statusdaten. Darüber hinaus ermöglicht das Design der Sicherungslasttrennschalter – dank vorverdrahteter Zubehörsätze und einfach zu installierender Sensorverkabelung durch das Innere des Geräts – die Aufrüstung von Standard auf Smart.

Weltweiter Zugriff auf Sensordaten

ProGrid Smart-Module sind mit allen Geräten kompatibel, die über Modbus RTU kommunizieren. SmartStation-Messmodule können außerdem im Modbus TCP/IP- und MQTT-Protokoll kommunizieren. Netzbetreiber können diese Schnittstellen nutzen, um über das Internet in Echtzeit auf Daten zuzugreifen, die von den Sensoren in der Schaltanlage und ihrer Umgebung gemessen werden. Das Modbus-RTU-Kabel in den ProGrid-Smart-Sicherungslasttrennschaltern dient nicht nur der Datenübertragung, sondern versorgt die Module auch mit Strom. Das spart Kabel und reduziert den Installationsplatz. Durch die Kompatibilität zu Modbus RTU- oder TCP/IP-Gateways und -Controllern ermöglicht die ProGrid-Lösung die Erfassung und Analyse von NS-Netzdaten durch alle marktbekannten Softwarelösungen für eine verbesserte und effiziente Wartung durch DSOs mit dem Ziel einer hohen Serviceverfügbarkeit und niedrigerer Betriebskosten für den Endverbraucher.

Bereit für die Transformation der Stromnetze

Mit den neuen ProGrid NH-Sicherungs-Lasttrennschaltern bietet Mersen ein Werkzeug zur Überwachung und Steuerung von Mittel-/Niederspannungsschaltanlagen. Die smarten Lösungen helfen Schaltanlagenherstellern sowie Elektroinstallations- und Gebäudeautomationsspezialisten dabei, die Niederspannungsnetze auf die Herausforderungen der Energiewende vorzubereiten.